[ schaelpic photokunstbar ]
photographische Positionen zu Aspekten des Urbanen: Ausstellungen | Texte | Aktivitäten


2015

Programm 2015/2016

Vorläufiges Ausstellungsprogramm und Aktivitäten für 2015/2016
(Stand 04.08.2015)

Ausstellungskonzept

Das letztjährige erfolgreiche Jahresprogramm 'Silber und Bytes -- 175 Jahre Photographie' mit vier Ausstellungen von fünf zeitgenössischen Photokünstlern, befasste sich intensiv mit der Entwicklung der technischen Verfahren der Photographie.

2015/16 widmen wir uns in mehreren Ausstellungen dem Phänomen der "Zeit" und knüpfen mit diesem "philosophisch-photographischen" Thema an unser Jahresprogramm von 2013 an: damals hatten wir mit 'Transitions I -- III' Präsentationen zum Thema "Weg" gezeigt.

Das neue Jahresthema für 2015/2016 lautet:
Die Stilllegung der Zeit -- Photographische Positionen zum Phänomen Zeit

Der französische Philosoph und Literaturkritiker Roland Barthes äußert sich 1977 in einem Interview mit Angelo Schwarz über die Photographie:

"Will man wirklich auf ernster Ebene von der Fotografie sprechen, so muss man sie zum Tod in Beziehung bringen. Es stimmt, das Foto ist ein Zeuge, aber ein Zeuge dessen, was nicht mehr ist. Selbst wenn das Subjekt noch lebt, wurde dennoch ein Moment des Subjekts fotografiert, und dieser Moment ist nicht mehr. (...) Jeder Akt der Lektüre eines Fotos, und davon gibt es Milliarden an einem Tag der Welt, jeder Akt des Einfangens und Lesens eines Fotos ist implizit und in verdrängter Form ein Kontakt mit dem, was nicht mehr ist, das heißt mit dem Tod."

Susan Sontag, die große amerikanische Essayistin und Schriftstellerin, denkt wie Barthes in Ihrem Buch "On Photography" von 1977 in die gleiche Richtung:

"Jede Photographie ist eine Art Memento Mori. Photographieren bedeutet teilnehmen an der Wandelbarkeit und Verletzlichkeit anderer Menschen oder Dinge." Und weiter: " Die Photographie ist eine elegische Kunst, eine von Untergangsstimmung überschattete Kunst. Eben dadurch, dass sie diesen einen Moment herausgreifen und erstarren lassen, bezeugen alle Photographien das unerbittliche Verfließen der Zeit."

Die schaelpic photokunstbar möchte daher den Phänomenen Zeit und Vergänglichkeit in der Photographie auf den Grund gehen. Wir präsentieren in mehreren Ausstellungen photographisch-künstlerische Positionen, die zum einen direkt das Phänomen Zeit reflektieren und zum anderen auf Veränderungsprozesse in unserer Gesellschaft reagieren.

Begleitet werden sollen die Ausstellungen wie im letzten Jahr durch ein kleines Vortragsprogramm, das sich aus philosophischer und naturwissenschaftlicher Sicht mit dem Phänomen Zeit auseinandersetzt.

Geplante Ausstellungen zum Phänomen Zeit
(das Programm läuft voraussichtlich bis Ende 2016)

Jürgen Hermann Krause -- Ostblick `90

Jürgen Hermann Krause bereiste mehrere Wochen noch vor der offiziellen Wiedervereinigung den Süden der ehemaligen DDR und hat dort seine Eindrücke auf vor allem auf den Straßen photographiert. Die bislang unveröffentlichte Arbeit wurde vom Photokünstler als Lithprints auf Original ORWO Barytpapier ausgearbeitet.

Wir zeigen -- auch aus Anlass der 25 Jahrfeier zur Deutschen Einheit -- Auszüge aus seinem DDR-Zyklus.

Knut Wolfgang Maron -- Ein Leben

"Aus der intensiven Beziehung zu der kranken Mutter bis hin zu ihrer absoluten Schwäche, die das Verhältnis Mutter-Sohn völlig umkehrte, entstand durch Vertrauen eine immense Intimität, aus der heraus es erst möglich wurde, zu diesen Bildern zu gelangen." (Knut Wolfgang Maron)

Der Fotograf Knut Wolfgang Maron hat in der Serie "Ein Leben" von 1997 bis 2012 die letzten Lebensjahre seiner Mutter festgehalten. Die Bilder sind berührende Zeugnisse des häufig ausgeblendeten Alterns, Dokumente des Abschieds und des Trostes der Dinge. Nach dem Tod seiner Mutter erhielt er ihren Lebensraum, das Elternhaus, für weitere zwei Jahre und verbrachte dort jede freie Minute um zu fotografieren. Knut Wolfgang Maron nutzte den Nachlass als assoziationsreiche Projektionsfläche für seine subjektive fotografische Trauerarbeit.

Knut Wolfgang Maron gilt als ein Pionier der deutschen Farbfotografie. Er studierte noch an der Folkwangschule in Essen bei Prof. Dr. Otto Steinert und Prof. Erich vom Endt. Heute lehrt er als Professor Fotografie an der Hochschule Wismar.

Hans-Christian Schink -- 1h (entfällt)

Hans-Christian Schink hat weltweit mit Langzeitbelichtungen Landschaften photographiert und sich dabei das Phänomen der Solarisation zu Nutze gemacht. Beim Solarisationseffekt werden stark überbelichtete Stellen nicht hell, sondern dunkel oder schwarz wiedergegeben. Die Tonwerte kehren sich um.

Über seine Arbeit schreibt Schink in seinem bei Hatje Cantz erschienenem Band 1h: "Ich konnte das Licht der Sonne abbilden, ohne dass dieses auf den ersten Blick erkennbar wäre. Ich konnte das Vergehen von Zeit darstellen, ohne dass es im Foto sofort nachvollziehbar wäre. Diese Bilder zeigen eine ganz eigene Realität, die nur mit den Mitteln der klassischen Fotografie wahrnehmbar ist, was wiederum eine der Kernfragen des Mediums berührt, nämlich diejenige nach der Abbildbarkeit von Wirklichkeit."

Romano Riedo -- Hinterland

Hinterland ist ein Projekt über die Lebenswelt Schweizer Bauern und Sennern, die unweit der industrialisierten Zentren und Ballungsräumen ein Leben unter einfachsten Bedingungen führen.

Romanoriedo.ch
Fotopunkt.ch

Michael Marten -- Sea Change

Von 2003 bis 2012 reiste der Londoner Fotograf Michael Marten rund um die britische Küste, um an verschiedenen Orten von ein und demselben Standpunkt aus Ansichten bei Ebbe und Flut zu fotografieren, sechs oder 18 Stunden auseinander. Seine wunderbaren und überraschenden Fotografien zeigen, wie dramatisch der Rhythmus von Ebbe und Flut das Landschaftsbild verändern kann.

Rahmenprogramm

Die Zeit der Philosophen
Diskussionsveranstaltungen und Vortragsreihe

Ein Streifzug durch die Philosophie-Geschichte unter dem Blickwinkel von Zeit und Vergänglichkeit: Was können wir heute von Aristoteles über Augustinus bis Heidegger über das Phänomen Zeit lernen?

Die Zeit der Physiker
Vortrag bzw. ggfls. Vortragsreihe über die mathematisch-naturwissenschaftlichen Zusammenhänge von Zeit: Zeitsysteme, Zeitmessungen.

Alle kennen die Sternzeit aus den Star Trek Filmen. Was aber steckt dahinter? Welche Zeitsysteme gibt es und auf welchen Grundlagen funktionieren sie? In einer Vortragsreihe sollen daher die mathematisch-naturwissenschaftlichen Grundlagen unserer Zeitsysteme, die Orientierungen der Erde im Raum, ihre Bewegung im Sonnensystem etc. erörtert werden.

Multivision-Show "Norge -- ein literarisches Tonbild" von Frank Doering und Tobias D. Kern

Frank Doering und Tobias D. Kern schufen 1993 eine Multivisions-Show für vier Diaprojektoren. Zentraler Bestandteil der Show ist die übersetzte und gesprochene Version eines samischen Joiks. Der Joik ist ein mit dem Jodler verwandter gutturaler Singsang der Samen in Nordnorwegen und integraler Teil ihrer Kultur.

Frank Doering und Tobias D. Kern haben einen Joik, der von Sinn und Endlichkeit des Lebens handelt, ins Deutsche übertragen lassen und mit Bildern aus der Finnmarksvidda vertont. Dabei ist eine kontemplative und einfühlsame Zeitreise in die Welt der Ureinwohner Lapplands entstanden.

Bei der geplanten Version handelt es sich um eine digital aufbereitete und digital projizierte Version der Schau von 1993.